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Allgäuer Zeitungsverlag: Den Blick weit in die Zukunft gerichtet – mit Ferag

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Allgäuer Zeitungsverlag: Den Blick weit in die Zukunft gerichtet – mit Ferag

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21691

08.02.2018 – Die Allgäuer Zeitungsverlag GmbH in Kempten (D) gehört zu den sehr weit vorausschauend agierenden Unternehmen. Bei jeder Investition hat man hier nicht nur deren komplette Nutzungsdauer, sondern auch den nachfolgenden Schritt im Blick. Vor diesem Hintergrund wurde im Herbst 2017 ein neuer Versandraum in Betrieb genommen, der gebrauchte Ferag-Komponenten aus den Jahren 1998 und 2011 mit neuester Technik aus Hinwil vereint. Das komplexe Projekt hat unter anderem das Ziel, die voraussichtliche Nutzungszeit von Druckmaschine und Weiterverarbeitungslinien zu "synchronisieren".

Versandraum des Allgäuer Zeitungsverlages (Bildquelle: Ferag).

Geschäftsführer Markus Brehm, der Technische Gesamtleiter Wilfried Sutter und Produktionsleiter Bastian Korbel sind sich bei der Sichtweise einig, dass ein Versandraum oft deutlich länger genutzt wird als eine Druckmaschine. 20 Jahre sind nach Ansicht der Kemptener durchaus gängig. Deshalb hatte man 2014 begonnen, sich über eine Ablösung des existierenden FERAG-Versandraums erste Gedanken zu machen.

Die damalige Konfiguration war 1998 zusammen mit zwei KBA-Express-Rotationen installiert worden. 2013 wurde die Drucktechnik durch eine neue Colorman E-Line des Herstellers Manroland ersetzt. Sie verfügt nominell über vier Drucktürme und zwei Falzapparate, vom Allgäuer Zeitungsverlag wurde sie aber stets als eine einzelne 48-Seiten-Maschine mit einem Falzausgang gesehen, die lediglich als Backup über je einen weiteren Turm und Falzapparat verfügt.

Die Reduzierung auf diese eine Linie bei der Drucktechnik war nicht ohne Risiko, lag der Allgäuer Zeitungsverlag doch damals mit rund 105.000 Druckexemplaren deutlich über der Grenze, die gemeinhin für eine Einzellinie gesehen wird (ca. 80.000 Exemplare). Doch bisher hat es gut funktioniert, während der sechs Nachtproduktionen pro Woche jeweils binnen vier Stunden die Auflage termingerecht zu produzieren. Und so sollte sich die Diskussion auch beim jüngsten Versandraum-Invest schnell darauf fokussieren, von zwei Produktionslinien auf eine zu reduzieren.

Der Zufall kam zu Hilfe
Dass die erfolgte Ausschreibung für eine neue Versandraumtechnik letztlich obsolet war, ist dem Zufall zu verdanken. Während in Kempten beispielsweise die vorhandene MTD-Wickeltechnik, Baujahr 1998, stets für ein Retrofit und die anschliessende Weiterverwendung vorgesehen war, wollte der Verlag die SNT-U-Schneidtrommel auf jeden Fall durch eine gebrauchte Maschine des gleichen Typs ersetzen. Angeboten wurde dem Allgäuer Zeitungsverlag unter anderem eine SNT-U, die bei der Zehnder Print AG in Rickenbach im Schweizer Kanton Thurgau verfügbar war. Die dortige Zeitungsdruckerei war Mitte 2016 stillgelegt worden.

Schnell wurde dem Team um Markus Brehm aber klar, dass hier bei Zehnder wesentlich mehr – nämlich ein kompletter Versandraum – zur Verfügung stand. Einer, der erst 2011/2012 in Betrieb gegangen war und über die wenigen Nutzungsjahre nur zum Teil ausgelastet worden war. Unter Zuhilfenahme eines Beraters aus Deutschland und gemeinsam mit dem Partner FERAG, der natürlich die Technik in Rickenbach bestens kannte, entwickelte der Allgäuer Zeitungsverlag ein völlig neues Konzept, das Retrofit-Module aus dem Kemptener Bestand, den fast kompletten Zehnder-Versandraum sowie ergänzende Technik aus dem aktuellen FERAG-Portfolio vereinte.

Zuerst Retrofit
Bereits im März 2017 wurde in einem ersten Schritt die Steuerungtechnik der MTD-Einheiten auf den aktuellen und damit kompatiblen IT-Stand gebracht. Im Mai konnte die erste der bisherigen Weiterarbeitungslinien des Allgäuer Zeitungsverlages demontiert werden, um auf der freigewordenen Fläche die Technik von Zehnder aufzubauen. Einige Bestandteile waren zuvor in Hinwil durchgecheckt und überholt worden. Für die Produktion im Kempten hieß das allerdings, zwischen Mai und September mit nur einer der beiden 19 Jahre alten Linien auskommen zu müssen. Dies war nur möglich, indem der Andruck übergangweise auf 19.30 Uhr vorgezogen wurde.

Zentraler Bestandteil des nach Kempten verlagerten Systems ist eine RollSertDrum RSD mit – in der Endausbaustufe – zwölf Zuführungen für Einsteckprodukte. Aus Platzgründen konnten zunächst nur acht installiert werden, zumal die Allgäuer auch größere Abstände zwischen den JetFeeder-Anlegern haben wollten, um die Paletten mit den Beilagen optimaler bereitstellen zu können. Im September 2017 nahm der neue Versandraum den Betrieb auf und die zweite alte Verarbeitungslinie konnte endgültig stillgelegt und demontiert werden. Das RollSert-System verfügt nun über vier Anleger, die automatisch von Wickeln versorgt werden, sowie über acht Anleger mit manueller Auflagemöglichkeit.

Der Allgäuer Zeitungsverlag produziert ausschließlich offline. Das heißt, alle Produkte werden aus der Druckmaschine zuerst auf MTD-Wickeltechnik gepuffert. Dies erlaubt es, sowohl im Druck wie auch in der Weiterverarbeitung die optimale Produktionsgeschwindigkeit zu fahren. Um auch beim Einsatz von nur einer Einsteck- und Verarbeitungslinie abgesichert sein, wurde aus Bestandsmodulen eine Abwickelstation konstruiert, die über einen Lagentakter Paketstapel für eine eventuell nötige Zwischenlagerung bildet. Auf diesem Weg könnte dann im Notfall die Tageszeitung stets ausgeliefert werden – wenn auch ohne Beilagen und Vorprodukte.

Navigator auf dem aktuellsten Stand
Durch einen neuen MultiStack plus SmartStrap-Umreifung wurde der Paketierbereich auf drei Kreuzleger aufgerüstet, die über ein ebenfalls neu erworbenes FERAG-Paketabtransport-System entsorgt werden. Neu sind auch Teile des Universaltransporteurs UTR. Dank des "Navigators", der zum Paket aus Rickenbach gehörte und durch die FERAG auf den neuesten Softwarestand gebracht wurde, hat die Versandraumsteuerung im Allgäuer Zeitungsverlag einen Sprung aus den 1980er Jahren direkt ins Jahr 2017 gemacht – wie es Produktionsleiter Bastian Korbel formulierte.

Der Allgäuer Zeitungsverlag ist sehr zufrieden mit der Projektbegleitung durch die FERAG, die vor allem ihre Fähigkeit unter Beweis stellen konnte, Technologie aus sehr unterschiedlichen Entwicklungsständen aufeinander abzustimmen und kompatibel zu machen.

Da in überwiegend fünf bis sechs Jahre alte Versandraumtechnik investiert wurde, geht der Allgäuer Zeitungsverlag nun davon aus, dass voraussichtlich Ende der 2020er Jahre das gemeinsame "End-of-Life" sowohl der Druck- wie auch der Weiterarbeitungstechnik erreicht sein wird. Etwa 2025/2026 will man sich dann Gedanken über die Produktionsweise der Zukunft machen. Aktuell, so stellt Geschäftsführer Markus Brehm fest, lebt das Unternehmen auf jeden Fall "sehr gut von der gedruckten Tageszeitung".

(Video-)Interview mit Bastian Korbel, Produktionsleiter:
https://www.ferag.com/en/3644/Gazing-far-into-the-future.htm?Article=30597

Autor

Michael Spinner-Just's picture

Michael Spinner-Just

Datum

2018-03-12 11:39

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